de

Umweltproduktdeklaration (EPD) normkonform erstellen

Versandhülse aus Karton mit Etikett als Symbol für Produktkennzeichnung und EPDs

Transparente, verifizierte Umweltdaten für Ihre Produkte: Grundlage für Gebäudezertifizierungen, Beschaffung und nachhaltiges Unternehmenshandeln.

Immer mehr Unternehmen stehen vor der Anforderung, die Umweltauswirkungen ihrer Produkte transparent und nachvollziehbar darzulegen: ob gegenüber Kund:innen, Großhandel, Investierenden oder bei Ausschreibungen. Die Umweltproduktdeklaration (EPD – Environmental Product Declaration) ist das international anerkannte Instrument dafür. Auf Basis einer Ökobilanz nach ISO 14040/44 und branchenspezifischen Normen wie der EN 15804 für Baustoffe dokumentiert sie die potenziellen Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus – standardisiert, unabhängig verifiziert und nach ISO 14025 veröffentlicht.

Was ist eine Umweltproduktdeklaration?

Eine Umweltproduktdeklaration (EPD, engl. Environmental Product Declaration) ist ein standardisiertes Dokument, das die umweltrelevanten Eigenschaften eines Produkts oder einer Produktgruppe objektiv und wissenschaftlich fundiert abbildet. Anders als der Blaue Engel oder das EU Ecolabel ist eine EPD kein Gütesiegel, sondern ein neutrales Informationsdokument.

Grundlage ist eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA), die alle relevanten Umweltwirkungen über den gesamten Lebensweg erfasst: von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.

Die Ergebnisse werden nach einem einheitlichen Schema dokumentiert und vor Veröffentlichung von einer unabhängigen Stelle auf Vollständigkeit, Plausibilität und Normkonformität geprüft.

Warum Umweltdeklarationen immer relevanter werden

Viele Unternehmen sehen sich mit der Frage konfrontiert, ob sie eine Umweltproduktdeklaration benötigen – und wann. Die Antwort umfasst zwei Aspekte: wachsende rechtliche Verpflichtungen auf EU-Ebene und konkrete Markt- und Wettbewerbsvorteile, die sich aus einer EPD ergeben.

Rechtliche Anforderungen rund um Umweltinformationen

  • EU – Ökodesign-Verordnung (ESPR): Die ESPR führt den Digitalen Produktpass (DPP) ab 2027 schrittweise für nahezu alle Produktgruppen ein. Umweltproduktdeklarationen liefern die verifizierten Umweltdaten, die künftig die DPP-Pflichtfelder befüllen sollen.
  • EU – Bauprodukteverordnung (CPR 2024): Ab 2026 werden Umweltangaben für Bauprodukte schrittweise verpflichtend, gestaffelt nach Produktkategorie. EPDs nach EN 15804 sind das anerkannte Format für den bauspezifischen DPP und fließen in die neue Leistungs- und Konformitätserklärung (DoPC) ein.
  • EU – EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825): Ab dem 27. September 2026 müssen spezifische Umweltaussagen in der Verbraucherkommunikation belastbar sein. Eine EPD ist eines der etablierten Formate, um Aussagen zu Treibhausgasen, Ressourcenverbrauch oder Recyclinganteil nachvollziehbar zu belegen.
  • Schweiz – Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG Schweiz): Seit Januar 2025 gilt eine Beweislastumkehr: Klimabezogene Produktaussagen müssen objektiv und überprüfbar sein. Eine EPD ist zwar keine Pflicht, aber der belastbarste Nachweis zur Erfüllung dieser Anforderung.

Welche Vorteile bringen Umweltproduktdeklarationen

  • Marktzugang: Eine EPD wird zunehmend zum Pflichtnachweis – ob bei Gebäudezertifizierungen nach DGNB, LEED und BREEAM, in öffentlichen Vergabeverfahren mit Nachhaltigkeitskriterien (BNB, QNG) oder bei Großhändlern, die Umweltnachweise als Leistungsvoraussetzung einfordern.
  • Transparenz und Glaubwürdigkeit: Unabhängig verifizierte Umweltdaten schaffen Vertrauen – bei Planer:innen und Bauherrschaft, die Produkte mit EPD bevorzugen oder vorschreiben, bei Investierenden, die EPD-Daten als Nachweis für nachhaltige Finanzierungen und ESG-Reporting nutzen, sowie bei Geschäftspartner:innen, die verifizierte Umweltnachweise zunehmend voraussetzen.
  • Produktoptimierung: Eine EPD zeigt, in welchen Lebenszyklusphasen die größten Umweltwirkungen entstehen, und ermöglicht gezielte Optimierungen von der Rohstoffwahl bis zur Produktionsenergie.

Welche Arten von Umweltproduktdeklarationen gibt es?

Cradle-to-Gate

  • Von der Wiege bis zum Werkstor
  • Herstellungsphase (minimaler Umfang)
  • bei Bauprodukten nur in Ausnahmefällen zulässig
  • bei Elektrogeräten v. a. für Lieferketten-Vergleiche genutzt

Cradle-to-Gate with Options

  • Von der Wiege bis zum Werkstor mit Optionen
  • Herstellungsphase plus ausgewählte weitere Phasen
  • Standardtyp für Bauprodukte (EN 15804), inkl. Module C und D
  • erfüllt die Anforderungen der meisten Ausschreibungen

Cradle-to-Grave

  • Von der Wiege bis zur Bahre
  • Vollständiger Lebenszyklus
  • Basis für Gebäudezertifizierungen (DGNB, LEED, BREEAM)
  • Standard für Elektrogeräte wegen hoher Umweltwirkung in der Nutzungsphase

Inhalt einer EPD

Eine EPD funktioniert wie ein Steckbrief – kompakt und standardisiert. Auf Basis einer Ökobilanz macht sie die Umweltwirkungen eines Produkts transparent. Sie enthält:

  • Technische Produktbeschreibung: Identifikation des Produkts, Grundstoffe und Herstellungsverfahren – z. B. Rohdichte und Massenbezug bei EPDs für Baustoffe oder Leistungsdaten und Gerätekomponenten bei Elektrogeräten.
  • Technische Leistungsnachweise: Nachweise über die funktionale Qualität des Produkts – z. B. Schallschutz, Brandverhalten oder Wärmeleitfähigkeit bei Bauprodukten; Energieeffizienzklasse oder Lebensdauer bei Elektrogeräten.
  • Deklaration des Lebenszyklus: Darstellung der Umweltwirkungen je Lebenszyklusphase – nach EN 15804 gegliedert in Module A–D, nach EN 50693 in die Phasen Upstream, Core und Downstream.
  • Umweltkennwerte: Quantifizierte Ergebnisse der Ökobilanz – u. a. GWP (Treibhauspotenzial), ODP (Ozonabbaupotenzial), AP (Versauerung), EP (Eutrophierung), POCP (Photochemische Ozonbildung), ADP (Ressourcenerschöpfung), WDP (Wassernutzung).
  • Angaben zur Datenqualität: Quellen, Alter und geografische Repräsentativität der verwendeten Daten – typischerweise herstellerspezifische Primärdaten für die eigene Produktion, ergänzt durch generische Hintergrunddaten für die Vorkette.
  • Gültigkeitsdauer: 5 Jahre ab Veröffentlichung.

 

Glaubwürdige Umweltdeklarationen dank Normen

Fußabdruck-Icon

Methodische Grundlage: ISO 14040/44

  • ISO-Normen 14040 und 14044 bilden das Fundament jeder EPD
  • regeln die Methodik der Ökobilanz (LCA)
  • Erfassung von Massen- und Energieflüssen
  • Berechnung von Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts
Icon von Klemmbrett mit darübergehaltener Lupe

Veröffentlichung und Verifizierung: ISO 14025

  • ISO 14025 definiert den Rahmen für die Veröffentlichung
  • neutrale Darstellung der Ergebnisse, unabhängige Verifizierung durch Dritte
  • Anforderungen an Programmbetreiber
  • Gültigkeitsdauer von fünf Jahren
Icon von Glühbirne mit Blitz im Innern

Branchenregeln: EPDs nach EN 15804 & Co.

  • Sektornormen konkretisieren die Anforderungen für einzelne Branchen
  • Beispiele: EN 15804 für Bauprodukte oder EN 50693 für Elektronik
  • Produktgruppenspezifische Regeln (PCR) stellen die Vergleichbarkeit innerhalb einer Kategorie sicher
  • Beispiele: Fenster & Türen, Dämmstoffe oder Leuchten

EPD erstellen leicht gemacht: Der Ablauf mit intep

Wir begleiten Sie vom Erstgespräch bis zur fertigen EPD: Sie bringen das Produktwissen mit, wir die Ökobilanz-Expertise aus unserem LCA-Consulting und ein Netzwerk akkreditierter Reviewer:innen. In Zusammenarbeit mit anerkannten Programmhaltern stellen wir sicher, dass Ihre Umweltproduktdeklaration den geltenden Normen und Branchenstandards entspricht und termingerecht veröffentlicht wird.

  1. Erstgespräch & Zieldefinition: Wir besprechen gemeinsam den geplanten Verwendungszweck – ob Compliance, Gebäudezertifizierung, Ausschreibung oder Marketing –, klären den gewünschten EPD-Typ (Produkt oder Produktgruppe) und wählen den passenden Programmhalter sowie ggf. die relevante PCR.
  2. Begleitung der Datenerhebung: Wir erstellen ein Datenerhebungsformular, beraten zu Datenqualität und unterstützen Sie beim Schließen von Datenlücken – auch in der Abstimmung mit Ihren Lieferant:innen.
  3. Ökobilanzierung (LCA): Wir berechnen die Umweltwirkungen gemäß den einschlägigen Normen und der relevanten PCR, mit anerkannten Hintergrunddatenbanken und zertifizierter LCA-Software.
  4. EPD-Erstellung: Wir dokumentieren die Ergebnisse im normenkonformen Format inkl. Hintergrundbericht (Methodik, Datengrundlage, Berechnungen, Interpretation).
  5. Unabhängige Verifizierung: Wir bereiten alle Unterlagen vor, übernehmen die Kommunikation mit der/dem akkreditierten Reviewer:in und führen notwendige Anpassungen durch.
  6. Veröffentlichung (optional): Auf Wunsch unterstützen wir bei der Eingabe auf der EPD-Plattform und der Registrierung beim Programmhalter.

Wir begleiten Sie bei der Erstellung Ihrer Umweltproduktdeklaration

Von der Datenerhebung über die Ökobilanzierung bis zur verifizierten Veröffentlichung: Wir unterstützen Sie bei der Erstellung normkonformer EPDs, branchenunabhängig und mit langjähriger Erfahrung. Sprechen Sie uns an – wir finden gemeinsam die passende Lösung für Ihr Produkt.

Ihre Ansprechpersonen rund um EPDs

Senior Consultant

Dr. Johanna Pohl

Co-Geschäftsführerin Standort Zürich
Leiterin Bereich Umwelt- & Ressourcenmanagement

Martina Alig

Häufige Fragen zur Umweltproduktdeklaration (EPD)

Was ist der Unterschied zwischen LCA und EPD (Umweltproduktdeklaration)?

LCA (Life Cycle Assessment) ist die Methode zur Berechnung der Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus, auch bekannt als Ökobilanzierung. Die EPD (Environmental Product Declaration) ist das standardisierte Dokument, das die LCA-Ergebnisse kommuniziert und veröffentlicht. Kurz: LCA ist die Berechnung, die EPD ist das Dokument.

Muss ich für jedes Produkt eine eigene EPD erstellen?

Nicht zwingend. Es gibt drei gängige Ansätze: eine produktspezifische EPD für ein einzelnes Produkt, eine Gruppen-EPD für mehrere ähnliche Produkte eines Herstellers, oder eine Verbands-EPD, die von einem Branchenverband für eine ganze Produktkategorie erstellt wird – etwa für Ziegelprodukte oder Mineralwolle-Dämmstoffe. Welche Variante für Ihr Portfolio sinnvoll und wirtschaftlich ist, besprechen wir gerne mit Ihnen.

Ist eine Umweltproduktdeklaration ein Nachhaltigkeitszertifikat?

Nein. Eine EPD bewertet nicht, ob ein Produkt nachhaltig ist, sondern stellt neutral und transparent dar, welche Umweltwirkungen es hat. Die Interpretation und Bewertung obliegt dem Anwender, z. B. im Rahmen einer Gebäudezertifizierung oder eines Ausschreibungsverfahrens.

Wie lange ist eine Umweltproduktdeklaration (EPD) gültig?

Eine EPD ist in der Regel fünf Jahre gültig. Bei wesentlichen Änderungen am Produkt oder Herstellungsprozess ist eine frühere Aktualisierung und Re-Verifizierung erforderlich.

Können EPDs verschiedener Hersteller verglichen werden?

Nur bedingt. EPDs präsentieren Daten auf standardisierte Weise, aber Hersteller können unterschiedliche Annahmen treffen, z. B. zu Transportwegen, Energiemixen oder der angenommenen Produktlebensdauer. Die getroffenen Annahmen sind stets in der EPD dokumentiert und müssen bei einem Vergleich berücksichtigt werden.

Was ist ein EPD-Programmhalter?

Ein Programmhalter ist eine unabhängige Organisation, die das EPD-System betreibt: Sie legt Anforderungen an Verifizierung und Veröffentlichung fest und stellt sicher, dass EPDs den geltenden Normen entsprechen. Bekannte Programmhalter sind das Institut Bauen und Umwelt (IBU) und EPD International – beide Mitglieder der internationalen Dachorganisation ECO Platform.

Wo werden Umweltproduktdeklarationen veröffentlicht?

Nach erfolgreicher Verifizierung werden Umweltproduktdeklarationen in öffentlich zugänglichen Datenbanken des jeweiligen Programmhalters registriert, etwa in der ÖKOBAUDAT (Deutschland) oder auf der EPD International-Plattform.