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Hitzewelle zum Monatsende: Was Städte und Gemeinden kurzfristig tun können

Über Mitteleuropa baut sich die nächste Hitzewelle auf. Mit sieben organisatorischen Maßnahmen können Städte und Gemeinden die gesundheitliche Belastung ihrer Bevölkerung kurzfristig senken, ohne Bauvorhaben und lange Beschlusswege.

Ab Mitte der Woche wird es in Deutschland, Österreich und der Schweiz heiß: verbreitet 33 bis 36 Grad, in Niederösterreich und Oberösterreich am Freitag örtlich bis 40 Grad, in der Schweiz quer über den 1. August. Wie hoch die Spitzenwerte ausfallen, entscheidet sich erst kurzfristig. Für Städte und Gemeinden zählt weniger die exakte Zahl als die Frage, welche Vorkehrungen sich in den kommenden Tagen noch treffen lassen, um die gesundheitlichen Folgen zu begrenzen.

Der Handlungsraum liegt vor der Warnung

Wer erst auf die amtliche Warnung reagiert, hat wenig Zeit. Die Vorinformationen reichen weiter, in allen drei Ländern unterschiedlich zugeschnitten:

  • Deutschland: Der Deutsche Wetterdienst warnt über hitzewarnungen.de und die Warnwetter-App. Warnungen gelten für den aktuellen und den folgenden Tag, der Hitzetrend reicht bis zum fünften Folgetag, der Landkreis-Überblick für den eigenen Standort rund eine Woche. Verwaltungen können den Newsletter „Vorabinformation Hitze“ abonnieren.
  • Österreich: Die GeoSphere Austria warnt auf warnungen.zamg.at bezirksweise in Gelb, Orange und Rot, den drei oberen Stufen einer vierstufigen Skala, sobald definierte Schwellen über mehrere Tage erreicht werden. Die Warnkarte zeigt heute, morgen und die Folgetage.
  • Schweiz: MeteoSchweiz warnt über App und Naturgefahrenportal, erst ab Stufe 2 von vier. Stufe 2 und 3 trennt nicht die Temperatur, sondern die Dauer: 25 Grad Tagesmittel an einem bis zwei Tagen gegenüber mindestens drei. Ab Stufe 3 gehen die Warnungen direkt an die kantonalen Behörden.

Nutzen lässt sich dieses Fenster nur, wenn vorher festgelegt ist, wer bei welcher Vorinformation was tut.

Sieben Maßnahmen für den Hitzeschutz in Städten und Gemeinden

Die sieben Maßnahmen überschneiden sich in den Regelwerken der drei Länder weitgehend, und das ist kein Zufall: Die deutschen Handlungsempfehlungen und der österreichische Nationale Hitzeschutzplan orientieren sich an den Leitlinien der WHO, die Maßnahmen-Toolbox des Schweizer Bundesamts für Gesundheit setzt an denselben Punkten an.

1. Zuständigkeit für diese Hitzewelle festlegen

Benennen Sie eine verantwortliche Person für den Hitzeschutz, definieren Sie die Meldewege und halten Sie während der Warnstufe eine kurze tägliche Lagerunde ab. Legen Sie fest, welche Partnerorganisationen dazugehören: Pflege, Rettungsdienst, Sozialdienste, Ehrenamt. Für Sozial- und Gesundheitseinrichtungen sehen die Musterhitzeschutzpläne dafür Hitzeschutzbeauftragte vor.

Diese Maßnahme steht an erster Stelle, weil alle weiteren von klaren Zuständigkeiten abhängen. Dokumentieren Sie außerdem, welche Maßnahme wann ausgelöst wurde und was funktioniert hat. Das ist die Grundlage für einen Hitzeaktionsplan, der im nächsten Sommer nicht mehr improvisiert werden muss.

2. Warnungen aktiv weiterverteilen

Hitzewarnungen erreichen die Bevölkerung nur, wenn die Verwaltung sie in ihre eigenen Kanäle spiegelt: Website, Social Media, Amtsblatt, Aushänge im Bürgerbüro, lokale Presse und Gemeindenachrichten. Ergänzen Sie Angebote in Leichter Sprache und in den vor Ort verbreiteten Sprachen.

Zweiter Verteiler nach innen: Kitas, Schulen, Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen, Bauhof und Blaulichtorganisationen. Oberösterreich zeigt, wie sich das kaskadieren lässt: Das Land versendet Hitzewellenwarnungen gemeinsam mit der GeoSphere Austria direkt an Einrichtungen für vulnerable Gruppen, die sie in ihrem eigenen Wirkungsbereich weitergeben.

3. Kühle Orte öffnen und bekannt machen

Bibliotheken, Museen, Kirchen, Vereinsräume und Verwaltungsfoyers bleiben im Sommer oft kühl. Erfassen Sie kurzfristig, welche Räume tatsächlich Aufenthaltsqualität bieten, verlängern Sie Öffnungszeiten und geben Sie zusätzliche Räume frei. Karlsruhe hat diese Bestandsaufnahme in seinen Hitzeaktionsplan aufgenommen. Der Wiener Hitzeaktionsplan führt kühle Räume in Kirchen, Einkaufszentren und Schulen als Maßnahme, Genf stellt klimatisierte Kinos und Museen als Rückzugsorte zur Verfügung.

Veröffentlichen Sie die Standorte online und in gedruckter Form, damit auch Menschen ohne Internetzugang sie finden. Ein kühler Raum, von dem niemand weiß, schützt niemanden.

4. Trinkwasser sichtbar machen

Prüfen Sie die Funktion vorhandener Trinkbrunnen und veröffentlichen Sie die Standorte. Refill-Stellen lassen sich mit Gastronomie und Handel innerhalb weniger Tage abstimmen. In Verwaltungsgebäuden, Schulen und Sportanlagen schaffen Wasserspender oder bereitgestellte Karaffen sofortige Entlastung. Kommunizieren Sie dazu die Trinkempfehlung der Gesundheitsbehörden. Zu den Schweizer Hitzewarnstufen gehört der Hinweis, mindestens 1,5 Liter pro Tag zu trinken, am besten ungesüßte und alkoholfreie Getränke.

5. Vulnerable Gruppen direkt ansprechen

Hochaltrige und alleinlebende Menschen mit eingeschränkter Selbstversorgung tragen das höchste Risiko für hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle. Alle drei Länder empfehlen deshalb den aktiven Kontakt, statt auf Meldungen zu warten. Das Hitzetelefon leistet das mit geringem Aufwand: tägliche Anrufe, Abfrage des Befindens, Hinweise zum Verhalten, im Notfall Weitergabe an Pflege- oder Rettungsdienst. Es existiert in allen drei Ländern, auf unterschiedlicher Ebene:

  • Deutschland: kommunal. Das Portal hitzeservice.de empfiehlt, es mit Seniorenbeirat und ehrenamtlichen Organisationen aufzusetzen und von Juni bis September bei einer Hitzewarnung des DWD aktiv werden zu lassen.
  • Österreich: national. Das Gesundheitsministerium startet das Hitzetelefon jedes Jahr mit der ersten Hitzewelle, kostenlos unter 0800 880 800.
  • Schweiz: kommunal und kantonal. In Genf rufen Gemeinden Menschen ab 75 Jahren täglich an, die Stadt Bern erprobt bis 2028 das Pilotprojekt „Hitze-Tandem“.

Der Berner Ansatz trifft den Kern: Viele ältere Menschen leben allein und werden durch allgemeine Warnungen oder Kampagnen nicht ausreichend erreicht.

Stimmen Sie das Vorgehen mit ambulanten Pflegediensten, Sozialdiensten und der Wohnungslosenhilfe ab, aktivieren Sie Nachbarschaftshilfe und verlängern Sie Öffnungszeiten von Tagesaufenthalten. In Pflege- und Betreuungseinrichtungen empfiehlt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit für ältere, pflegebedürftige Menschen 1,5 bis 2 Liter täglich, dabei kühle, aber nicht eisgekühlte Getränke.

6. Medikationspläne prüfen lassen

Medikamenteneinnahme zählt zu den Risikofaktoren für hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle, kritisch sind vor allem Diuretika, Blutdrucksenker, Anticholinergika, Sedativa und Opioide. Platzieren Sie über die ärztlichen Vereinigungen einen Aufruf an die Praxen, die Medikationspläne auf hitzebedingte Wechselwirkungen zu prüfen, und informieren Sie Fachpersonen wie Bevölkerung gezielt zu Hitze und Medikamenten.

Hinzu kommt die Lagerung: Je nach Präparat gilt eine Höchsttemperatur von 25 oder 30 Grad. In aufgeheizten Räumen ist das schnell überschritten. Wichtig: Prüfung und Anpassung erfolgen ausschließlich ärztlich oder in der Apotheke. Medikamente wegen Hitze eigenständig abzusetzen, ist gefährlich.

7. Eigenen Betrieb, Gebäude und Beschäftigte anpassen

Kurzfristig wirken Verhaltens- und einfache technische Maßnahmen: Fensterläden, Rollläden, Jalousien, Markisen und Vorhänge tagsüber schließen, nachts und in den frühen Morgenstunden lüften, Ventilatoren einsetzen, kühle Räume ausweisen. Das ist die Maßnahme mit der kürzesten Vorlaufzeit und den geringsten Kosten.

Verlegen Sie Arbeitszeiten in Bauhof, Grünpflege und auf Baustellen sowie Termine mit Risikopersonen in die Morgen- oder Abendstunden, passen Sie Öffnungs-, Service- und Fahrdienstzeiten in sozialen Einrichtungen an und verschieben oder verschatten Sie Außenveranstaltungen. Wer die Maßnahmen nach Warnstufen vorbereitet, muss im Ereignisfall nicht jede Entscheidung neu treffen.

Ein Punkt ist besonders wichtig: Hitzewellen fallen in die Ferienzeit. Eine Einrichtung in Minimalbesetzung kann Betreuungsschlüssel nicht erhöhen. Die Urlaubsregelung im Sommer gehört deshalb in die Hitzevorsorge.

Anpassung wirkt nachweislich

Die positiven Effekte von Hitzeaktionsplänen sind belegt, insbesondere für vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Frauen (Umweltbundesamt, UMID 01/2021). Dass in Europa heute weniger Menschen an Hitze sterben als früher bei gleichen Temperaturen, führt die Fachliteratur vor allem auf verändertes Verhalten und Maßnahmen des Gesundheitswesens zurück. Ohne diese Entwicklung seit dem Jahr 2000 wäre die hitzebedingte Sterblichkeit 2023 um 80 Prozent höher ausgefallen (Gallo et al., Nature Medicine 2024).

Dieselbe Forschungsgruppe hat inzwischen ein Frühwarnmodell vorgelegt, das gesundheitliche Notlagen mindestens eine Woche im Voraus vorhersagt (Janoš et al., Nature Medicine 31, 2025). Die Vorlaufzeit wächst. Nutzen lässt sie sich jedoch nur mit vorbereiteten Zuständigkeiten und Abläufen.

Der zweite Zeithorizont: langfristige Planung

Was sich in wenigen Tagen nicht regeln lässt, gehört in die Planung, also in ein Klimaanpassungskonzept für Kommunen, das Hitze-Hotspots verortet und Maßnahmen nach Dringlichkeit ordnet. Außenliegender Sonnenschutz und Nachtauskühlung etwa setzen eine Sanierung voraus, Entsiegelung und Begrünung wirken erst über Jahre. Resilienz entsteht aus beidem: aus dem Handeln in dieser Woche und aus der Planung für die kommenden Sommer.

Wie belastbar ist Ihre Organisation?

Wo eine Verwaltung ansetzt, hängt davon ab, was bereits geregelt ist. Finden Sie heraus, wie weit Ihre Gemeinde vorbereitet ist:

Für Schweizer Gemeinden: Der kostenlose intep Resilienz-Schnellcheck liefert einen Resilienz-Index und zeigt, wo Zuständigkeiten, Warnkette und Gebäudebestand belastbar sind und wo Handlungsbedarf besteht. Direkt starten unter resilienz.intep.com.

Für Deutschland und Österreich: In einem kostenlosen Erstgespräch ordnen wir ein, wie belastbar Governance, Notfallorganisation und der Umgang mit Klimarisiken in Ihrer Gemeinde heute sind und wo eine vertiefte Standortbestimmung ansetzen würde.

Ihre Ansprechperson

Geschäftsführer

Beat Stemmler

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