Hitzesommer 2026: Was Gemeinden aus der Praxis lernen können
Der Sommer 2026 war der heißeste seit Messbeginn 1864. Die anhaltende Hitze stellte auch Gemeinden vor große Herausforderungen: Wie lassen sich Bevölkerung, Schulen und Mitarbeiter:innen kurzfristig vor Hitze schützen? Und welche Maßnahmen braucht es, um langfristig besser auf immer häufigere Hitzeperioden vorbereitet zu sein?
Im Webinar „Lektionen aus dem Hitzesommer: Hitzeschutz in der Gemeinde“ teilten Fachleute aus Verwaltung, Forschung und Planung am 16. September 2026 ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit Gemeinden der Energieregion Birsstadt.

Ein Rekordsommer mit Folgen für die Gesundheit
Am 30. Juli wurden an der Messstation Basel/Binningen 39,7 °C gemessen – damit wurde der bisherige Temperaturrekord für die Alpennordseite eingestellt. Insgesamt verzeichnete die Station im Sommerhalbjahr 61 Hitzetage und 12 Tropennächte, so viel wie noch nie. Die außergewöhnliche Hitze hatte auch gesundheitliche Folgen. Die wöchentlichen Todesfallzahlen des Bundesamts für Statistik zeigen für die Monate Juni bis September rund 600 zusätzliche Todesfälle. Und solche Sommer könnten künftig häufiger auftreten. Die Klimaszenarien CH2025 zeigen: Die Schweiz hat sich gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um rund 2,9 °C erwärmt. Steigt die globale Durchschnittstemperatur um 3 °C, dürfte die Erwärmung in der Schweiz rund 4,9 °C erreichen. Ein Sommer wie 2026 wäre unter diesen Bedingungen laut MeteoSchweiz kein Ausnahmeereignis mehr, sondern würde etwas dem Durschnitt entsprechen.
Hitzeschutz strategisch verankern

Maria Mayer von intep zeigte, wie Gemeinden Hitzeschutz strategisch angehen können. Am Anfang stehen eine Klimarisikoanalyse, die Hitze-Hotspots identifiziert, und eine Stakeholderanalyse, die wichtige Akteure und Betroffene frühzeitig einbindet. Maßnahmen greifen auf drei Ebenen: Organisation und Sensibilisierung (Warnung, kühle Orte, Betreuung vulnerabler Personen), Gebäude (Wärmelast reduzieren, passive Kühlung vor aktiver Klimatisierung) und Außenraum (Entsiegelung, Bäume, Begrünung, Wasserflächen). Die Verknüpfung mit Sanierungs- und Biodiversitätsstrategien schafft zusätzliche Synergien.
Perspektiven aus Praxis und Forschung
Drei Gastbeiträge ergänzten den strategischen Rahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Patrick Widmann, Leiter Hochbau der Gemeinde Birsfelden, berichtete aus Sicht einer betroffenen Gemeinde, für die der Hitzesommer zum Anstoß wurde, zu handeln. Dr. Jacqueline Maurer vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt stellte mit dem Frühlüften an Schulen einen groß angelegten Versuch zu einer vieldiskutierten Maßnahme vor. Nathalie Baumann (ZHAW und nateco AG) und Lukas Schmid (Landscale AG) zeigten anhand einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung, wie Maßnahmen im Außenraum und Hitzeschutz zusammenwirken und wo ihre Grenzen liegen. Damit spannte das Webinar einen Bogen von der Handlungsnotwendigkeit in der Gemeinde über die Erprobung im größeren Maßstab bis zur wissenschaftlichen Wirkungskontrolle. So erhielten die Teilnehmenden Einblicke aus mehreren Ebenen, die sich auf ihre eigene Situation übertragen lassen.
Wissen in die Gemeinden bringen
Das Webinar ist Teil der Solar- und Dämmoffensive der Energieregion Birsstadt. Im Auftrag des Vereins Birsstadt begleiten wir das Projekt und fördern den fachlichen Austausch zwischen den Energie-, Umwelt- und Liegenschaftsverantwortliche der Birsstadt-Gemeinden. Nach einem Roundtable im Juni, mit einer Besichtigung des Schulhauses Surbaum in Reinach, war das Webinar die zweite Veranstaltung im Themenblock Hitzeschutz, Lüftung, Kühlung und Dämmung. Als nächster Schritt entsteht eine Entscheidungshilfe zum Thema Solarenergie.
So unterstützen wir Gemeinden beim Hitzeschutz
Noch verfügen längst nicht alle Kantone über einen vollständigen Hitzeaktionsplan. Gemeinden können jedoch bereits heute selbst aktiv werden. Wir unterstützen sie dabei mit:
- Hitzeaktionsplan: Zuständigkeiten, Warnkette und Maßnahmen für vulnerable Gruppen definieren, damit im Ereignisfall klar ist, wer was zu tun hat.
- Klimarisikoanalyse: Hitze-Hotspots und betroffene Liegenschaften verorten und den Handlungsbedarf priorisieren.
- Bestandsaufnahme Gebäude: gemeindeeigene Liegenschaften beispielsweise hinsichtlich Sonnenschutz und Lüftungsmöglichkeiten bewerten und geeignete Maßnahmen in die Sanierungsplanung einbinden.
- Klimaanpassungskonzept: Hitzeschutz mit Sanierungs- und Biodiversitätsstrategien verbinden und langfristig verankern.
Wie gut ist Ihre Gemeinde auf Hitze und andere Ereignisse vorbereitet?
Der kostenlose Resilienz-Schnellcheck von intep zeigt in wenigen Minuten, wo Ihre Gemeinde steht und wo Handlungsbedarf besteht. Er liefert einen Resilienz-Index und konkrete Hinweise zu möglichen Schwachstellen.
Weitere konkrete Ansätze bietet unser Beitrag „Hitzeschutz für Städte und Gemeinden: 7 Maßnahmen„
Ansprechpersonen
Matthias Mahler
Maria Mayer
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